Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig wäre, sich auf zehn Filme zu beschränken. Dazu auch noch Ranglistenplätze auszuknobeln.
An diesem Film kommt man einfach nicht vorbei. Obwohl danach vielleicht noch bessere Western gedreht wurden, kann schon allein aufgrund seiner Bedeutung für das Genre nur dieser Film auf Platz 1 stehen.
Im Nachhinein kann man es nur als Glücksgriff bezeichnen, daß Leone zu Eastwood und Eastwood zu Leone gefunden hat. Eastwood ist nun einmal DER Prototyp des coolen Antihelden, von Leone perfekt in Szene gesetzt.
Ein ganzes Genre wird in einem einzigen Film abgefeiert.
Leone setzte sich und dem Italo Western hiermit ein Denkmal.
Django - das ist neben dem von Leone ersonnenen Kopfgeldjäger DIE Ikone des Italo Westerns. Mehr als dreissig Filme tragen im Nachhinein, den Namen Django im Titel. Dies meist zu Unrecht (qualitativ wie auch logisch), aber es beweist, was für eine Aufwertung es darstellte, sich mit dem Prädikat eines "Django"-Films zu schmücken.
Corbucci soll einmal gesagt haben: "Ford hatte John Wayne, Leone hat Clint Eastwood und ich habe eben Franco Nero". Wie Recht er damit hatte, sollte der immense Erfolg des Original-Djangos beweisen. Es gibt keinen besseren Django-Darsteller und alle, die sich danach an der Rolle versucht haben, sind höchstens an Neros Interpretation herangekommen. Gleiches gilt für den Film an sich.
Sergio Corbucci auf dem Höhepunkt seines Schaffens !
Story, Schauspieler, Kamera und Musik - alles stimmt einfach. Sehr pessimistisch und düster. Das Tempo hervorragend gewählt und die Entscheidung, die Geschichte inmitten einer tief verschneiten Berglandschaft anzusiedeln, hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen. So hebt sich der Film zusätzlich ab.
Sergio Sollima drehte nur drei Italo Western, aber jeder davon ist weit über dem Durchschnitt angesiedelt. Der erste ist auch gleichzeitig sein bester.
Die beiden Protagonisten Lee van Cleef und Tomas Milian liefern sich ein spannendes und unterhaltsames Katz-und-Maus Spiel. Das ganze unterlegt von einem der besten Soundtracks, die Ennio Morricone je zu einem Film beigesteuert hat.
Sollima spart die genretypische Gewalt in weiten Teilen aus. Er versucht, durch eine gute Geschichte und die Kameraarbeit zu überzeugen, was zweifelsfrei als gelungen betrachtet werden kann.
Fast zeitgleich etablierte der Regisseur Gianfranco Parolini die Westerncharaktere Sartana und Sabata.
Erster bringt es zwar auf mehr Filme, aber bei den drei Sabata-Filmen ist die Auswahl einfacher. Nur der erste Sabata kann überzeugen. Adios, Sabata mit Yul Brunner in der Hauptrolle gehört urspünglich nicht in die Reihe und das eigentliche Sequel, Sabata kehrt zurück, kann nicht überzeugen. Somit bleibt der erste und beste Sabata übrig, in dem wir einen schwarzgekleideten Kopfgeldjäger und Meisterschützen sehen, der unglaublich cool agiert und zu jeder Zeit alles im Griff hat. Lee van Cleef verkörpert diese Figur mit einer Chuzpe, die im Gedächtnis verbleibt.
Tonino Valerii lieferte mit "Der Tod ritt dienstags" einen wichtigen und herausragenden Beitrag ab. Die mittlerweile klassische Konstealltion aus altem, erfahrenen Revolverhelden und jungem ungestümen Anfänger hat er zwar nicht erfunden, aber durch diesen Film maßgeblich beeinflusst. Zudem sieht man hier mit Lee van Cleef und Giuliano Gemma zwei Giganten des Genres zusammen auf der Leinwand.
Enzo G. Castellaris Keoma stellt seinen besten Beitrag zum Genre dar. Gleichzeitig ist es das Werk, welches man anführen muß, wenn man sich mit den Spätwerken des Italo Western auseinandersetzt. Mitte der 1970er Jahre war der Western made in Italia quasi tot - Albernheiten und derbe Späße beherrschten das Kino. Mit Keoma wurde es noch einmal ernst.
Franco Nero als eine Art Hippie, der seine alte Heimat zurückkehrt, in der nur noch Chaos und Anarchie herrschen. Vom Grundton bereits sehr melancholisch angelegt, unterstreichen die Brüder Angelis dies noch mit einem ungewöhnlichen Soundtrack.
Wer genau aufpasst und die Zeichen richtig deutet, sieht viele christlich-religiöse Anspielungen.
Ganz ehrlich, seiner Qualität wegen wurde der Film hier nicht aufgenommen. Die ist eher Durchschnitt.
Damianis Beitrag begründet aber den Revolutionswestern innerhalb des Genres. Wahrscheinlich wurde der Film aufgrund seiner Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Revolution von den Kritikern so überschwenglich gelobt. Stellenweise weist er auch gute Momente auf und offenbart Können auf der Regieseite, aber größtenteils langweilt er nur und schleppt sich zum vorhersehbaren Ende dahin. Dabei sind die schauspielerischen Leistungen gut bis hervorragend. Vor allem Volonte gibt den zögernden Revolutionär sehr überzeugend. Insgesamt wurde und wird dieser Mann ohnehin unterbewertet. Zu Unrecht, wie man sagen muss.
Die Aufnahme dieses Films mag einige sicher verwundern, aber als Initialzündung für den komödiantischen Western ist Enzo Barbonis Werk zu wichtig, um außen vor gelassen zu werden. Collizis Filme in allen Ehren (zumal er noch vor Barboni das Spass-Duo Hill/Spencer zusammenbrachte), aber erst Barboni hat die Welle losgetreten. Die "rechte und die linke Hand des Teufels" ist neben "Mein Name ist Nobody" (der aber nicht nur komisch ist und deshalb hier keine Listung erfahren hat) der gelungenste Beitrag. Die Mischung stimmt, die Schauspieler sind gut aufgelegt und der Zeitpunkt war genau richtig gewählt.